4.-6. Sept.: Theologisches Triduum

Die "Päpstliche Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz" veranstaltete an den 3 Tagen unmittelbar vor dem Papstbesuch ein theologisches Triduum. Das Thema waren die 3 theologischen Gestalten, von denen her unserer jetziger Papst zu fassen ist: Denn:

Papst Benedikt XVI. ist von Amt wegen "PETRUS",
er ist von seiner Theologie her "RATZINGER" und
er hat den Namen "BENEDIKT" gewählt.

Täglicher Verlauf:

19.30 Lateinische Komplet der Mönche in der Abteikirche.
20.00 Vortrag im Kaisersaal, Diskussionsmöglichkeit.
21.30 Uhr Ende.

Die Vorträge zum Downloaden

Wir beabsichtigen die Vorträge auch zu veröffentlichen.
Vorerst kann man sie hier downloaden:

Univ.-Prof. Dr. Lothar Wehr, Petrus im Neuen Testament --> hier downloaden.

Prof. Dr. Maximilian Heim OCist, Theologie Joseph Ratzingers / Benedikt XVI. -->  hier downloaden.

Abt Benedikt Müntnich OSB, "Benedikt" --> hier downloaden.

Zusammenfassung des Triduums

von Prof. Dr. Kosmas Thielmann OCist

Der Besuch von Papst Benedikt XVI. in Österreich, einem Land, dem er von Kindheit an eng verbunden ist, ist mehr als nur ein Event. Es ist vor allem ein spirituelles Ereignis. Ein Theologisches Triduum vom 4.-6. September im Stift Heiligenkreuz, einem der Ziele des Papstes, diente der geistig-geistlichen Vorbereitung auf dieses Ereignis. Drei Vorträge, an denen jeweils hunderte Menschen teilnahmen, eröffneten drei verschiedene Zugänge zu Papst Benedikt. Univ.-Prof. Dr. Lothar Wehr, Neutestamentler an der Kath. Universität Eichstätt, sprach über „Sein Amt: Petrus“. In „Seine Theologie: Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.“ führte HS-Prof. Dr. Maximilian Heim OCist ein, Prior des Heiligenkreuzer Tochterklosters Stiepel in Bochum und Professor für Fundamentaltheologie an der Päpstlichen Phil.-Theol. Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz. Der Abt von Maria Laach, Benedikt Müntnich OSB schließlich erläuterte „Sein Programm: Benedikt von Nursia“.

Angesichts der Fülle neutestamtlicher Stellen, die sich mit Petrus befassen, beschränkte sich Prof. Lothar Wehr darauf, das Petrusbild des Matthäusevangeliums näher zu betrachten, da dieses Evangelium besonders die Bedeutung des Petrus für die Kirche unterstreicht. Die zentrale Stelle ist Mt 16. Petrus bekennt im Namen aller Jünger Jesus als den Messias und wird dafür seliggepriesen. Für Wehr ist diese Seligpreisung nicht allein deswegen bemerkenswert, weil es die einzige Seligpreisung eines Jüngers ist, sondern weil hier Petrus dafür seliggepriesen werde, daß Gott ihm Offenbarung geschenkt hat. Petrus erscheine hier als der Offenbarungsempfänger schlechthin, aus Gnade. Am Ende des Textabschnitts jedoch wird Petrus zum „Skandalon“, zum Widersacher und Versucher Jesu. Wie in anderen Stellen werde uns hier Petrus in seiner Größe wie in seiner Schwäche vor Augen geführt. Dazwischen steht das Felsenwort: die Einsetzung des Petrus zum Fels der Kirche. Diese Funktion übe er in zweierlei Weise aus: zum einen sei Petrus der Grundstein der Kirche, zum andern aber der Verschlußstein für die bedrohlichen Mächte der Unterwelt. Aber Petrus ist nicht nur der Fels, sondern er erhält die Schlüsselgewalt des Bindens und Lösens. Zwei Begriffe, die der jüdischen Theologie entnommen sind und das „Verbieten und Erlauben“ in Gesetzesfragen bzw. disziplinarische Maßnahmen bezeichnen. So verfüge Petrus über umfassende Vollmachten, Fragen der Aktualisierung und konkreten Anwendung der Verkündigung zu entscheiden. Die Akzeptanz der Autorität des Petrus sei dabei im Unterschied zu Paulus oder Jakobus nicht auf einzelne Gemeinden beschränkt, sondern erstrecke sich auf die gesamte Kirche. Gründe dafür seien die besondere Wertschätzung durch Jesus (z.B. erster Osterzeuge) sowie seine vermittelnde Position in der frühen Kirche. Hierin könne man die Grundlage für das Amt der Einheit sehen. Auf diese grundlegende Funktion in der Kirche sei Petrus nach Mt von Jesus durch besondere Belehrungen vorbereitet worden. Da aber das Matthäusevangelium nach dem Tode verfaßt sei, stelle sich, so Wehr, die Frage, auf wen die Autorität des Petrus überging. Nach Mt 18,18 nehme man vielfach an, daß die Gemeinde insgesamt die Binde- und Lösegewalt ausübe. Aber Mt 13,52 gebe einen Hinweis auf das Vorhandensein von christlichen Schriftgelehrten, die aus der Schrift und den Worten Jesu Antworten auf aktuelle Fragen ableiten. So bilde sich das eigentliche Papsttum zwar erst mit der Zeit heraus, aber in diesen Kreisen christlicher Schriftgelehrter aktualisiere sich nach dem Tod Petri dessen Schlüsselgewalt. So bewahre die Kirche die apostolische Lehre und lege sie jeweils neu aus. Keinem anderen Zweck diene der Besuch des Papstes. Wehr: „Er will … deutlich machen, was die apostolische Botschaft heute am Beginn des 21. Jh. für die Kirche hier in Österreich bedeutet. So ist der Papst der Petrus, der christliche Schriftgelehrte unserer Zeit.“

In einem zweiten Vortrag führte Prof. P. Maximilian Heim OCist in die theologische Welt Joseph Ratzingers, Benedikt XVI. ein. Wie bei einer Spektralanalyse ließ Heim in sieben Facetten die wesentlichen Themen aufleuchten: Glaube und Vernunft, Gottesfrage, Offenbarung, Ursprung und Wesen der Kirche, Liturgie, Ökumene, Politik. Dabei erweist sich die Frage nach der Vernünftigkeit des Glaubens als wesentliche Motivation Ratzingers, Theologie zu treiben. Schon in seiner Bonner Antrittsvorlesung 1959 befaßte er sich mit diesem Thema. Und in seiner berühmten Rede an der Universität Regensburg vom 12. September 2006 kam er darauf zurück. Im weltweiten Echo, das diese Rede fand, weil der Papst zu Beginn einige kritische Sätze einer byzantinischen Kaisers über Mohammed zitierte, ging etwas unter, das es hier dem Papst darum ging, so Heim, den Pessimismus der postmodernen Vernunft zu überwinden durch eine Weitung des Horizontes auf das Wort Gottes hin. In der Begegnung mit dem fleischgewordenen Logos nämlich könne erst die Vernunft ihre wahre Größe und eigentliche Würde entdecken. Gerade damit der Mensch nicht ins Irrationale oder Fundamentalistische abgleite, müsse sich die Vernunft der Gottesfrage stellen und der Glaube wiederum sich nicht der Vernunft verschließen. Dabei stehe am Beginn des Glaubens nicht irgendeine Idee, sondern die Begegnung mit einer Person. So verstehe Ratzinger mit Bonaventura Offenbarung als etwas Lebendiges: die Rezeption der Kirche setze jeweils neue Tiefen des endgültigen Offenbarungswortes frei. In der Liturgie, dem „Kult des offenen Himmels“, ereigne sich die wesentliche Begegnung mit dem Herrn besonders in der Eucharistie, die auch die Kirche konstituiere. Dieser eucharistische Ansatz der Ekklesiologie bildet nach P. Maximilian das Herzstück der Theologie Ratzingers. Die Eucharistie sei für Papst Benedikt nicht nur die ständige Mitte und das Zentrum seines Lebens, sondern auch des Papstamtes. Das Motto des Papstbesuches in Östereich „Auf Christus schauen“ gewinne von daher seine eigentliche Bedeutung: vom „Leuchten seines Angesichts“ her falle das Licht, das unseren Weg erhelle, uns zur Wahrheit und zum Leben führe, das Christus, der menschgewordene Logos, selber sei.

Abt Benedikt Müntnich OSB unterlegte gleichsam im dritten Vortrag die Spiritualität von Papst Benedikt XVI. mit der Person des Benedikt von Nursia und fragte nach dem Benediktinischen bei Papst Benedikt. Der durch Gotteserfahrung ent-grenzte Mensch, das sei das Thema benediktinischen Lebens, von Benedikt zum Ende des Prologs der Regel (RB) faszinierend ins Bild gebracht: „Wenn man im geistlichen Leben und im Glauben voranschreitet, weitet sich das Herz und man eilt in unausprechlicher Wonne der Liebe weiter auf Gottes Wegen.“ Hier rühre man an das Geheimnis des Papstes Benedikt, der in der Hl. Messe zur Papstwahl am 18. April 2005 sagte: „Je mehr wir Jesus lieben, je mehr wir ihn kennen, umso mehr wächst unsere wahre Freiheit, wächst die Freude darüber, erlöst zu sein.“ Und der Kardinal habe hinzugefügt: „Danke, Jesus, für deine Freundschaft!“ In der Freundschaft mit Jesus weite sich unser Herz, werden wir vom Herzen her Mensch. Nicht „Benedikt von Nursia“ sei das Programm des Papstes, sondern wie in der RB sei es Jesus Christus. Zu Beginn seines Pontifikates zitierte er den entscheidenden Satz der RB: „der Liebe zu Christus nichts vorziehen.“ Im Schauen auf die durchbohrte Seite Jesu, so der Papst in seinem Jesus-Buch, finde der Christ den Weg seines Lebens und Liebens, trinke er vom Quell des Lebens. Der Gläubige habe daran Anteil: man könne sehen, „wie die Heiligen Oasen sind, um die herum Leben sproßt, um die herum ein wenig vom verlorenen Paradies wiederkehrt.“  Und der Papst wendet das Bild der Oase auf die benediktinischen Klöster an, um die „Oasen der Schöpfung“ entstanden seien, „Vorgriffe auf diese Versöhnung der Schöpfung, die von den Gotteskindern kommt.“ Dies wäre nach Benedikt XVI. der Sinn eines Klosters: Ort versöhnten Lebens zu sein. Ein solcher Ort, so Abt Benedikt, gewänne Strahlkraft, wäre tatsächlich „Bezugspunkt“ für viele.

Eine Nachbetrachtung zum 9. September (Osservatore Romano Dt)

Die Aufgaben, die uns der Papst bei seinem Besuch in Heiligenkreuz gestellt hat

P. Dr. Karl Wallner OCist,
Rektor der Päpstlichen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz

Am 9. September 2007 hat Papst Benedikt XVI. im Rahmen seines Pastoralbesuches in Österreich das Zisterzienserstift Heiligenkreuz im Wienerwald besucht. Wir glauben, dass mit diesem Besuch der Kirche in Österreich, den Klöstern und dem theologischen Betrieb einige Aufgaben gegeben hat, von denen ich hier drei thematisieren möchte:

Zum ersten hat Papst Benedikt XVI. durch seinen Besuch die alten Stifte Österreichs als geistlichen „Oasen“ aufgewertet. In seiner Ansprache hat er deutlich gemacht, warum ihm der Besuch in einem 874-Jahre alten, durchgehend bestehenden österreichischen „Stift“ ein solches Anliegen war, dass er es selbst in das Programm seines Pastoralbesuches „hineingewünscht“ hat. Er sagte: „Österreich ist, wie man doppelsinnig sagt, wahrhaft ‚Klösterreich’. Eure uralten Stifte mit Ursprüngen und Traditionen, die über Jahrhunderte reichen, sind Orte der ‚Präferenz für Gott’.“ Diese „Präferenz für Gott“ ist aufgrund der spezifischen historischen Situation in Österreich, wo ja viele Klöster weder durch Revolution noch durch Säkularisation zerstört oder aufgehoben wurden, gleichsam ein Teil unserer Kulturgeschichte: Die ca. 30 Stifte der Benediktiner, Chorherren, Prämonstratenser und Zisterzienser sowie die Fülle von Ordensgemeinschaften, die über weite Strecken das kirchliche und geistliche Leben des Landes schon seit Jahrhunderten prägen, sind eine bedeutende Wirklichkeit in der Kirche unseres Landes.

Freilich: die Gnade der Geschichte ist in Österreich nämlich zugleich zum Problem geworden: Die alten Stifte sind so selbstverständlich in unserem Land vorhanden, dass das „Außerordentliche“ dieser geistlichen Orte nicht oder zu wenig wahrgenommen wird. Heiligenkreuz, das nur 15 Kilometer von Wien entfernt liegt und dessen mittelalterliche Klosteranlage jährlich von 170.000 Touristen besucht wird, ist eines dieser typischen österreichischen „Stifte“: wie die anderen auch, ist es Mittelpunkt geistlicher, kultureller und touristischer Aktivitäten. Und hier knüpfte Benedikt XVI. ganz offensichtlich mit seinem eindringlichen Appell an:

„Und Euch, liebe Gläubige, bitte ich: Nehmt Eure Stifte und Klöster als das wahr, was sie sind und immer sein wollen: nicht nur Kultur- und Traditionsträger oder gar bloße Wirtschaftsbetriebe. Struktur, Organisation und Ökonomie sind auch in der Kirche notwendig, aber sie sind nicht das Wesentliche. Ein Kloster ist vor allem eines: ein Ort der geistlichen Kraft. Wenn man zu einem Eurer Klöster hier in Österreich kommt, empfindet man dasselbe, wie wenn man nach einer schweißtreibenden Wanderung in den Alpen sich endlich an einem klaren Quellbach erfrischen kann… Nützt also diese Quellen der Nähe Gottes in Eurem Land, schätzt die Ordensgemeinschaften, Klöster und Stifte und nehmt den geistlichen Dienst in Anspruch, den die Gottgeweihten für Euch zu leisten bereit sind!“

Ein zweiter Bezugspunkt der Papstansprache waren die Themen Spiritualität, Gebet und Liturgie. Der Heilige Vater erinnerte an die „schlichte Weisung“ der Benediktsregel, „dem Gottesdienst nichts vorzuziehen“ (Regula Benedicti 43,3). Der Kern des Mönchtums sei die Anbetung, und dieser liege immer schon die christliche Wahrheit voraus, dass wir Menschen nicht „in einer sinnleeren Wüste“ ausgesetzt sind, sondern dass Gott in Jesus Christus menschgeworden sei und jeden Menschen mit dem Blick der Liebe anschauen wolle. Der letzte Grund des Gebets liege darin, „weil Gott es wert ist, angebetet zu werden.“ Der Papst bezog sich hier nicht nur auf uns Mönche, sondern weitete den Blick auf alle Gottgeweihten, auf die Diakone, Priester – „und sogar Bischöfe“, - die täglich das Brevier aus einer Gesinnung der Hingabe beten sollen. „Die Schönheit einer solchen Gesinnung wird sich in der Schönheit der Liturgie ausdrücken, so dass dort, wo wir miteinander singen, Gott preisen, feiern und anbeten, ein Stück Himmel auf Erden anwesend wird. Es ist wirklich nicht vermessen, wenn man in einer auf Gott hin konzentrierten Liturgie, in den Riten und Gesängen, ein Abbild des Ewigen sieht.“

Die Pflege der Liturgie muss ein allgemeines Anliegen werden. In Heiligenkreuz haben wir uns nach dem 2. Vatikanischen Konzil intensiv bemüht, die Liturgie zu reformieren, ohne dabei die Traditionen des Ordens zu verraten und leichtfertig auszulöschen. Deshalb entschied man sich bewusst für Beibehaltung der lateinischen Liturgiesprache, für das feierliche Chorgebet, und für eine ästhetische Gestaltung der Gottesdienste. Die Pflege des Gregorianischen Chorals ist heute ein Kennzeichen unserer klösterlichen Identität. Gerade diese Bemühungen um eine nachkonziliare Authentizität werden heute darin fruchtbar, dass uns viele gute Berufungen geschenkt werden, sodass wir den höchsten Personalstand seit 200 Jahren verzeichnen dürfen. Die innere Mitte der Liturgie zu entdecken und zu praktizieren ist die zweite Aufgabe, die der Papst uns zugedacht hat.

Der dritte Bezugspunkt betraf das theologische Studium, denn der Besuch des Petrusnachfolgers galt auch der Päpstlichen Hochschule. Unsere Hochschule war 1802 gegründet worden und aufgrund angestrengter qualitativer Veresserungen und eines enormen Wachstums auf derzeit 170 Studierende im Jänner 2007 zur Päpstlichen Hochschule erhoben worden. Sie ist die einzige Hochschule im Zisterzienserorden und Abt Gregor hat ihr den Namen „Päpstliche Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz“ verliehen. Von den 170 Studierenden sind mehr als 110 Priesterkandidaten und Ordensleute, es handelt sich somit um die größte Priesterausbildungsanstalt im deutschen Sprachraum. Der Heilige Vater betonte die Berechtigung der Existenz dieser einzigen Ordenshochschule in Österreich als eines „profilierten Studienortes“ neben den anderen staatlichen und kirchlichen Fakultäten. Als bleibende Aufgabe, die sicher nicht nur Heiligenkreuz betrifft, forderte der Papst eine „vertiefte Verbindung von wissenschaftlicher Theologie und gelebter Spiritualität“. Der Heilige Vater war sichtlich „in seinem Element“, als er die Verbindung von „fides et ratio“, von Spiritualität und Intellektualität im Theologietreiben einforderte: „Gott ist ja nie bloß Objekt der Theologie, er ist immer zugleich ihr lebendiges Subjekt. Christliche Theologie ist auch nie eine bloß menschenförmige Rede über Gott, sondern sie ist immer zugleich der Logos und die Logik, in der Gott sich zeigt. Darum sind wissenschaftliche Intellektualität und gelebte Frömmigkeit zwei Elemente des Studiums, die in unaufgebbarer Komplementarität aufeinander angewiesen sind.“

Ich möchte mit einigen persönlichen Eindrücken schließen: In Heiligenkreuz hatten wir den Besuch des Heiligen Vaters von Anfang an als eine Auszeichnung empfunden, derer wir nicht würdig sind, die uns zutiefst beschämt. Entsprechend intensiv haben wir den historischen Tag – noch nie zuvor in unserer 874-jährigen Geschichte hatte uns ein Papst besucht – vorbereitet: durch Nachtanbetungen und Novenen, durch ein „Theologisches Triduum“ an der Hochschule, durch eine bereitwillige Zusammenarbeit mit interessierten Medien und durch das Bemühen um eine reibungslose Organisation. Wir haben uns kindlich auf diesen Besuch gefreut, weil wir immer schon hundertprozentig hinter dem Petrusamt gestanden sind, und diese Freude hat alle Menschen angesteckt, die zu uns gekommen sind. Die Ankunft des Papstes haben wir durch ein mehrstündiges Glaubensfest vorbereitet: mit einer Pilgermesse, mit Musik und Zeugnissen von Mönchen und gottbegeisterten Menschen. Vor der Ankunft des Papstes haben wir eine halbe Stunde Stille gehalten und die 15.000 Pilger zum stillen Gebet eingeladen. Und dann kam der Heilige Vater und berührte uns mit einer Ausstrahlung von Bescheidenheit und Liebenswürdigkeit.

Sogar jene Menschen, die die Begegnung nur via Fernsehen erlebt haben, konnten offensichtlich die gegenseitige Sympathie spüren. Und vor allem war deutlich, dass es hier nicht um einen Personenkult ging, sondern, dass die Mitte der Begegnung Christus selbst war: Nach dem Papstbesuch gingen hunderte Anrufe und tausende Emails ein, die deutlich machten, dass die Menschen innerlich berührt worden ware: „Ich habe die Nähe Gottes erfahren“, war ein Grundtenor der ausschließlich positiven Meldungen.

Wir Zisterzienser von Heiligenkreuz haben uns viel vom Besuch des Heiligen Vaters erwartet; doch unvorstellbar mehr ist geschenkt worden. Wir erlebten nicht einen wohl organisierten „Event“, sondern wurden durch eine geistliche Begegnung beschenkt: und zwar eine Begegnung mit DEM, dessen Vikar Papst Benedikt auf Erden ist. Bei aller gelungenen „natürlichen“ Organisation und Geschäftigkeit haben wir zusammen mit den vielen Pilgern den 9. September 2007 als ein „übernatürliches Geschenk“ erlebt, ja als reine Gnade. Schon deshalb werden wir nicht hochmütig werden, sondern werden tief beschämt über eine solch unverdiente Auszeichnung unseren Weg als betende klösterliche Gemeinschaft und als kirchliche Hochschule demütig fortsetzen.

Prof. P. Dr. Karl Wallner OCist

Rektor der Päpstlichen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz




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