God bless our brothers in Sri Lanka!

Predigt von P. Dr. Wolfgang Buchmüller bei der Jugendvigil am Februar 2010

Darstellung des Herrn

Jerusalem im Schnee. In der Bergstadt Jerusalem ist es im Februar bitter kalt und die Abhänge am Rande der Wüste füllen sich mit kleinen weißen Kristallen, die in der Sonne wunderbar glänzen.

Ein Paar mit einem Baby bahnt sich den Weg durch den Vorhof des großen Tempels, in dem dichtes Gedränge herrscht. Nur nicht auffallen heißt die Devise! Schließlich gibt es ja Leute, die hinter dem Kind her sind, die es sogar umbringen wollen. Sie finden in der Säulenhalle tatsächlich einen Priester, der für sie das alte Weiheritual vollziehen will, denn der Kleine soll von Anfang an ganz Gott gehören. Das Ganze kostet zwei Tauben.

Doch dann passiert, was immer zu geschehen pflegt, wenn man alle Geheimnisvorkehrungen besonders gewissenhaft verfolgt: die ganze Sache fliegt auf! Einer der älteren Priester kommt vorbei und bekommt glänzende Augen. Das ist er also, der Retter! Simeon ist ein Priester, der wie man heute sagt, straight war vor Gott und die Kraft Gottes war voll auf ihm. Nun erklärt er allen Umstehenden laut, dass der kleine Winzling einmal der Messias des Herrn sein werde, ein Licht der Erleuchtung für alle, die Gott nicht kennen und Gottes Herrlichkeit für Israel.

Was ist aber dran an der Geschichte und an der Prophezeiung? Ist Jesus wirklich das Licht? Ist Jesus die Antwort oder gibt es nicht doch noch viele andere Antworten? Diese Frage stellen sich wohl viel Jugendliche.

Gott beruft Menschen überall, auch in Asien

Einem von ihnen, fern in der Kaschmir-Region im Norden Indiens erging es wohl ähnlich. Es ist das Jahr 1905. Ein 16-jähriger Sikh (das sind die mit dem Turban) namens Sundar Singh geht in eine englische Missionsschule. Dabei gibt es natürlich auch Bibelstunden, die für alle Schüler verpflichtend sind. Sundar Singh hasst das Christentum, er stört den Bibelunterricht durch unpassende Fragen, wenn im Basar ein christlicher Missionsprediger auftaucht, stiftet er die anderen dazu an, ihn mit Steinchen zu bewerfen; einmal zerreißt er eine Bibel vor den Augen seines Vaters. Viel mehr interessiert ihn der Hinduismus seiner Mutter, die Religion der heiligen Bettler und Asketen.

Doch dann bricht seine Welt zusammen: seine Mutter stirbt, kurz darauf folgt sein Bruder, er gerät in eine tiefe seelische Krise. Fest entschlossen, die Wahrheit um jeden Preis herauszufinden, nimmt er sich vor, sich vor den Zug zu werfen. Davor soll Gott aber noch eine Chance haben. Wer er auch immer ist, der Gott der Hindus, der Sikhs, der Buddhisten oder der Muslime, wenn es ihn gibt, dann soll er sich ihm jetzt zeigen. Ansonsten hat es ohnehin keinen Sinn zu leben. So betet er in seinem Zimmer.

Dabei wird es um ihn immer heller, etwas wie ein Körper strahlt ihm entgegen. Es ist aber nicht der Buddha, auch nicht ein Avatar und auch nicht Krishna. Es ist eine andere Stimme, die ihn fragt: „Warum verfolgst du mich? Ich bin für dich gestorben!“ Das Licht, das ihn durchströmt, zeigt ihm, das dass dies sein Ruf ist, für Christus zu leben. Fortan wird er ein christlicher Prediger im Gewand eines Hindhu-Mönchs. Dabei ist er einer der ersten, der bis nach Tibet vordringt und sogar dort erfolgreiche Missionsarbeit leistet.

Asien braucht Christus

So wie bei Sundar Singh spricht Gott zu einzelnen Menschen auf der Suche. Statistisch gesehen ist das Christentum mit 1,5 Milliarden Mitgliedern die größte Religionsgemeinschaft der Welt. Wenn auch ca. 80% der aus religiösen Gründen Verfolgten Christen sind, so bleibt das Christentum doch die erfolgreichste Religion. In China gab es 1950 nur 3 Millionen Christen, heute sind es 80 Millionen trotz – oder gerade wegen – der vielen Verfolgungen. In Sri Lanka lassen sich jedes Jahr 20.000 Buddhisten taufen, in Hong Kong sind es jedes Jahr 4000 „Nichtchristen“.

Es wundert nicht, dass in einem Kloster wie Heiligenkreuz, das so viel Potential in sich birgt, der Gedanke an einen Missionseinsatz aufkommt. 1950 gab es ein erstes Projekt für ein Kloster in Tibet, 1985 begann man über ein Kloster in Sri Lanka nachzudenken. Nun, nach 25 Jahren ist es soweit: am 15. März brechen die drei Sri-Lanka-Brüder Frater Silvester, Frater Laurentius und Frater Benedikt zusammen mit dem mutigen Heiligenkreuzer Pater Kosmas an den Äquator auf, um in der Küstenstadt Negombo, dem „kleinen Rom von Sri Lanka“, ein Haus zu eröffnen, das ein Grundstein für ein zukünftiges Kloster werden soll.

Ich bin davon überzeugt, dass das Projekt Erfolg haben wird, und zwar weniger weil das Haus nahe zum Strand unter Palmen liegt oder weil es in Sri Lanka eine sympathische Jugend gibt, die großen Teils in die Kirche geht, sondern weil unsere Brüder aus Sri Lanka ihr ganzes Herz für diese Sache eingesetzt haben.
Unsere Gedanken und Sympathien sind bei ihnen.

Wir wollen ihnen einen großen Erfolg wünschen. Jesu pihitay oder God bless you, brothers! Amen.




Stift Heiligenkreuz · A-2532 Heiligenkreuz im Wienerwald / Austria · Tel.: +43 2258 / 8703 · Impressum