RUNDGANG DURCHS KLOSTER

Die Klosteranlage

1. Pforte und Information
2. Aula - Treffpunkt für die Führungen
3. Romanische Westfassade der Stiftskirche (1187)
4. Dreifaltigkeitssäule (1729-1739)
5. Josefsbrunnen (1739) mit Platanen (1848)
6. Alte Klosterpforte (1730) – Eingang in den Kreuzgang
7. Kreuzgang (1240)
8. Annakapelle (1710)
9. Kapitelsaal (1240)
10. Totenkapelle (1711)
11. Brunnenhaus (1295)
12. Mittelalterliche Fraterie (1240)
13. Sakristei (1667)
14. Hallenchor (1295)
15. Kirchenschiff (1187)
16. Konvent (1642) – Wohnbereich der Mönche
17. Bernardikapelle (1295) – (keine Besichtigung)
18. Kaisersaal – Festsaal (1691)
19. Kirchturm (1674)
20. Kreuzkirche (1982) – Heiligtum der Kreuzreliquie
21. Klosterladen

Downloads zur Führung

Hier kann man folgende Behelfe downloaden:

1. Plan vom Stift Heiligenkreuz mit Erklärungen: Auf dem Plan des Klosters sind die einzelnen Sehenswürdigkeiten verzeichnet, ebenso die wichtigsten Eckdaten der Geschichte.
--> download "Plan vom Stift Heiligenkreuz"

2. Englischer Führungsbehelf: Here you find a plan of Stift Heiligenkreuz and a description of the monuments of the abbey.
--> download "Führungsbehelf englisch".

3. Französischer Führungsbehelf: Ici vous trouvez le plan de Stift Heiligenkreuz avec une explication des monuments de l'abbaye.
--> download "Führungsbehelf französisch".

4. Italienischer Führungsbehelf: Qui trovate un programma di Stift Heiligenkreuz e una descrizione dei monumenti del'abbazia.
--> download "Führungsbehelf italienisch".

DIE KLOSTERANLAGE

Im Rahmen einer Führung kann die Klosteranlage als Synthese der Kunst- und Architekturstile von 9 Jahrhunderten erlebt werden:

Die Alte Pforte Der Grabsteingang des Kreuzganges Der Lesegang des Kreuzganges Der Kapitelsaal
Die Totenkapelle Das Brunnenhaus Die Fraterie Die Sakristei
Die Abteikirche Die Kober-Orgel Das Chorgestühl Das romanische Langhaus

Die Alte Pforte

"Alte Pforte" heißt der Eingang zum Kreuzgang. Der Name erinnert daran, dass sich hier bis in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts die Klosterpforte befand, wo die Ankommenden von einem Mönch eingelassen wurden. Die barocken Fresken der Klosterpforte stellen den Eintretenden unter den Schutz der drei wichtigsten Heiligen des Zisterzienserordens: der jungfräulichen Gottesmutter Maria, des heiligen Benedikt (in schwarzem Mönchsgewand) und des heiligen Bernhard (in weißem Mönchsgewand). Über dem Eingang befindet sich auch das Wappen von Heiligenkreuz: eine Schwurhand auf dem Hintergrund eines Kreuzes.

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Der Grabsteingang des Kreuzganges

Der quadratische Kreuzgang ist das Zentrum der Klosteranlage, da er alle wichtigen Räume miteinander verbindet. Ein Kloster ist als eine Stadt im Kleinen konzipiert: die Mönche mussten sich selbst ernähren und erhalten, sie übten alle Arten von Handwerken innerhalb der Klausur selbst aus. Heute arbeiten die Mönche mehr in der Seelsorge und im schulischen Bereich. Der Kreuzgang ist in romanisch-gotischem Stil erbaut und wurde 1240 unter Herzog Friedrich II. in der heutigen Form vollendet und eingeweiht. An der Wand stehen Grabsteine von Wohltätern, die im Mittelalter das Kloster mit Grundstücken, Weingärten oder sonstigen Gaben beschenkten und dadurch den Lebensunterhalt der Mönche sicherten. Diese Gönner wurden aus Dankbarkeit im Kreuzgang begraben.

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Der Lesegang des Kreuzganges

Ein Teil des Kreuzganges wird Lesegang genannt, weil sich hier die Mönche jeden Abend vor der Komplet zu einer Lesung versammeln. Ein Vorleser sitzt dann in der Kanzel, der Abt und die übrigen Mönche sitzen ihm gegenüber auf der Holzbank. Täglich wird ein Abschnitt aus der Regel des heiligen Benedikt vorgelesen. Von kunstgeschichtlicher Bedeutung sind die grau-schwarzen Glasfenster, die zum Teil noch aus dem 13. Jahrhundert stammen. Diese Fenster im "Grisaille"-Stil sind typisch für die Betonung von Schlichtheit und Schmucklosigkeit, welche den Orden im Mittelalter auszeichnete. Die wertvollen Scheiben bereiten in neuerer Zeit große Sorgen, da sie durch die Luftverschmutzung langsam zerstört werden. Im Lesegang findet am Gründonnerstag auch die Fußwaschungsfeier statt: Nach dem Vorbild Christi, der am Tag vor seinem Leiden den Aposteln die Füße wusch, vollziehen der Abt und die Mönche hier die Fußwaschung an zwölf älteren Männern aus den umliegenden betreuten Pfarreien. Die barocken Skulpturen von Giovanni Giuliani von 1705 thematisieren daher an den beiden Enden des Ganges die Fußwaschung.

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Der Kapitelsaal

Der Versammlungsraum der Mönche wird Kapitelsaal genannt, weil - zumindest in früheren Zeiten - bei jeder Zusammenkunft ein Kapitel aus der Heiligen Schrift vorgelesen wurde. Von daher rührt auch die Bezeichnung "Kapitular" für einen Mönch, der kraft seiner Feierlichen Profess berechtigt ist, an diesen Zusammenkünften teilzunehmen. Im Kapitelsaal findet heutzutage die Feier der Einkleidung statt, also die feierliche Aufnahme der Männer, die in das Kloster eintreten und mit dem Ordensgewand bekleidet werden. Nach dem Noviziat legt der Mönch ebenfalls im Kapitelsaal die zeitlichen Gelübde ab.

Der Saal dient auch als Grablege der fürstlichen Förderer des Klosters und ist damit ein wichtiger historischer Ort für die Geschichte Österreichs! Was die Kaisergruft in Wien für die Habsburger ist, das ist Heiligenkreuz für das Geschlecht der --> Babenberger

Unter anderem ist hier der Babenbergerherzog Leopold V. begraben, der König Richard Löwenherz gefangen gesetzt hatte. Leopold V. war es auch, der dem Kloster die Kreuzreliquie geschenkt hat. Auch Markgraf Leopold IV. liegt hier begraben. Während diese unter einfachen Grabsteinen ihre letzte Ruhe gefunden haben, findet sich im Kapitelsaal für Friedrich II. den Streitbaren (†1246) ein eindrucksvolles Hochgrab. Er war der letzte Babenberger, der Österreich regierte, und ein überaus großzügiger Förderer von Heiligenkreuz. Die barocken Fresken in den Wandbögen zeigen eben jene Personen, die im Kapitelsaal begraben sind.

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Die Totenkapelle

Wahrscheinlich war die Totenkapelle im Mittelalter als "Parlatorium" in Verwendung, also als jener Raum, an dem man - inmitten des allgemeinen Stillschweigens - miteinander sprechen durfte. 1713 wurde der Raum nach dem typischen grotesken Geschmack des Barock als Totenkapelle ausgestattet, wie sie sich heute präsentiert. Die tanzenden Skelette als Kandelaber sollen auf ihre Art der Hoffnung auf Auferstehung Ausdruck geben: Der Totentanz macht Angst, doch der tanzende Tod trägt die brennende Kerze. Diese ist ja Symbol des auferstandenen Christus und damit Symbol des ewigen Lebens! Wenn heute ein Mönch stirbt, wird er für etwa zwei Tage hier aufgebahrt. Die Mönche verabschieden sich von ihrem Mitbruder, der sein irdischen Leben in Gott vollendet hat, indem sie in stillem Gebet Totenwache bis zum Tag des Begräbnisses halten.

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Das Brunnenhaus

Während heute jeder Mönch fließendes Wasser auf seiner Zelle hat, war im Mittelalter das Brunnenhaus die einzige Wasserquelle der ganzen Klosteranlage. Noch heute wird der Brunnen von einer eigenen Brunnenstube gespeist. Eindrucksvoll ist das sakrale Aussehen dieses gotischen Raumes, der 1295 fertiggestellt wurde. Das Brunnenhaus ähnelt einer prachtvollen Kapelle: Die berühmten gotischen Glasfenster mit Darstellungen der Babenberger, der im Schlussstein des Gewölbes thronende Christus (das Original aus Eichenholz befindet sich im Museum) und der pyramidenförmige Renaissancebrunnen geben dem Raum ein erhabenes Gepräge. Es ist verwunderlich, dass ein profaner Raum, der durch Jahrhunderte vor allem die praktische Funktion einer Waschküche und Wasserstelle des Klosters innehatte, derart ästhetisch ausgestaltet worden ist. Doch dafür gibt es einen theologischen Grund: Die sakrale Raumgestaltung soll dem Mönch auch in den profanen Tätigkeiten, also beim Waschen und Reinigen, bewusst machen, dass er Gott immer und überall dient. Die Architektur erinnert den Mönch, dass selbst gewöhnliche Alltagsarbeiten im Angesicht Christi (Schlussstein!) erfolgen und somit seiner Heiligung dienen sollen.

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Die Fraterie

Dieser Raum diente im Mittelalter den Fratres, also den Brüdern, als Arbeitsraum. Verschiedene klösterliche Werkstätten waren in dem wohl ursprünglich unterteilten Raum untergebracht: Schusterei, Schneiderei, Tischlerei usw. Neben dieser mittelalterlichen "Werkstätte" befand sich die Schreibstube, das Skriptorium. Dieser wichtige Raum, in dem die Mönche von Hand Bücher schrieben oder kopierten, war damals auch der einzig beheizte Raum im Kloster. Das "Kalefaktorium" (der Heizraum) darunter wurde erst 1992 entdeckt und ist über eine Stiege begehbar.

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Die Sakristei

In Österreich und im süddeutschen Raum wurden im 17. und 18. Jahrhundert viele mittelalterliche Kirchen niedergerissen und dem Geschmack der damaligen Zeit entsprechend durch barocke Bauten ersetzt. Weil das Stift Heiligenkreuz finanziell stets im Wiederaufbau ungarischer Abteien engagiert war, die durch die Türkenkriege in Mitleidenschaft gezogen worden waren, konnte es sich einen völligen Neubau von Kirche und Klosteranlage nicht leisten. Das führte zu dem - aus heutiger Sicht überaus glücklichen - Umstand, dass die mittelalterliche Bausubstanz erhalten geblieben ist! Freilich wurden in der Barockzeit auch in Heiligenkreuz beträchtliche bauliche Veränderungen vorgenommen, jedoch zumeist in Form von Zubauten. Solch ein neuer Bau der Barockzeit, der einfach neben die mittelalterliche Klosteranlage gestellt worden ist, ist die Sakristei. Sie stammt aus dem 17. Jahrhundert und zeichnet sich durch ihre hochwertigen Barockfresken aus. Die Schränke mit den Intarsienverzierungen sind das Werk zweier Laienbrüder zu Beginn des 19. Jahrhunderts. In den Schränken werden Geräte und Gewänder für die Feier der Liturgie verwahrt.

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Die Abteikirche

Den besten Eindruck von der Erhabenheit der Klosterkirche bekommt man von der so genannten Vierung aus, wo sich Lang- und Querhaus kreuzen. Die Abteikirche wurde in zwei Etappen erbaut: Zunächst wurde noch im 12. Jahrhundert die dreischiffige Basilika in romanischem Stil fertig gestellt. Ihre Architektur ist typisch für die strenge und nüchterne Romanik der Zisterzienser, die keine überflüssige Verzierung duldet, sondern alle Gestaltungskraft in die Ästhetik des Raumes selbst legt. Durch die drei Fenster in der Westfront - ein Symbol für die heiligste Dreifaltigkeit - wirft am Abend zur Zeit der Vesper die sinkende Sonne ihr Licht auf die betenden Mönche im Chorgestühl. Dieses romanische Langhaus wurde im 13. Jahrhundert durch den Anbau einer gotischen Chorhalle erweitert. Es handelt sich um den ältesten gotischen Hallenbau dieser Art in Österreich. Die hohen Glasfenster sind etwa zur Hälfte original aus der Zeit um 1290 erhalten. In der Barockzeit wurde die Kirche stark umgebaut, das mittlere östliche Fenster des Hallenchores war zugemauert und von einem mächtigen Barockaltar verstellt. Das Altarbild von Rottmayr, das die Aufnahme Mariens in den Himmel darstellt, ist heute an der Seite des Hallenchores erhalten. Die übrige barocke Einrichtung wurde Ende des 19. Jahrhunderts entfernt und durch den neugotischen Baldachin samt den Seitenaltären ersetzt. Das bemalte Kreuz über dem Altar zeigt Christus als den auferstandenen und erhöhten Herrn. Es handelt sich um die meisterhafte Kopie eines romanischen Kreuzes von 1138.

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Die Kober-Orgel

Im vorderen Teil der Abteikirche ist heute die große Kober-Orgel aufgestellt, die mit ihrer Höhe fast die Decke des nördlichen Querschiffes erreicht. Sie wurde 1804 von Ignaz Kober gebaut und hat zwei Manuale, 55 Register und 2959 Pfeifen. Erst 1997 wurde sie vollständig restauriert.

Franz Schubert hat auf dieser Orgel gespielt und für sie sogar im Jahre 1828 eine vierhändige Fuge komponiert. Natürlich auch Anton Bruckner usw. Aber soetwas ist für eine ordentliche österreichische Stiftsorgel eigentlich selbstverständlich...

Bis 1950 stand die Kober-Orgel auf einer Empore, die man zur Barockzeit im romanischen Langhaus vor der Westfassade aufgezogen hatte. Diese Empore erstreckte sich über mehrere Joche und beeinträchtigte die Raumwirkung des mittelalterlichen Kirchenschiffes stark. Nach der Abtragung der Empore fand die Kober-Orgel einen würdigen Platz im nördlichen Querschiff, wo sie zwar vor den Blicken weitgehend verborgen ist, ihre Klagwirkung jedoch ungebrochen entfalten kann.

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Das Chorgestühl

Das Chorgestühl dient dem feierlichen Chorgebet der Mönche. Hier versammeln sie sich siebenmal am Tag, um in gemeinsamer Rezitation der Psalmen und im meditativen Gesang des Gregorianischen Chorals Gott zu preisen. Der hohen Bedeutung des Chorgebetes entspricht die künstlerische Gestaltung des Chorgestühls. Es stammt aus der Barockzeit und wurde von dem Bildhauer und Familiaren Giovanni Giuliani aus Venedig († 1744) angefertigt. Jeder Mönch steht in einer so genannten "Stalle", die Reihenfolge ergibt sich aus dem Alter des Eintritts. In den einzelnen Stallen stellen Holzreliefs Begebenheiten aus dem Leben Jesu dar. Oberhalb der Stallen sind kleine Engelsputten in ekstatischer Haltung und die Büsten von Heiligen mit verzückter Haltung und offenem Mund dargestellt. Darin steckt die theologische Aussage, dass an dem Chorgebet der Mönche auf Erden auch die himmlische Kirche teilnimmt, also Engel und Heilige mitsingen bzw. mitmusizieren. In der Liturgie des Chorgebetes liegt auch die wichtigste Aufgabe der Mönche, da sie es als stellvertretenden Lobpreis für alle Menschen verrichten. Man beachte auch, dass die Abteikirche nur dann in ihrer ganzen architektonischen Harmonie erlebt wird, wenn in ihr die jahrhundertealten Melodien des Gregorianischen Chorals erklingen.

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Das romanische Langhaus

Das romanische Langhaus ist der älteste Teil der Abteikirche, es wurde Ende des 12. Jahrhunderts fertiggestellt. In der Barockzeit wurde es durch eine Empore verschandelt, die die Westfront mit den drei eindrucksvollen Fenster, durch die abends das Licht der untergehenden Sonne gerade auf die betenden Mönche fällt. Das Langhaus ist reinste Romanik, wie man sie in Österreich nur selten findet. Das barocke Chorgestühl fügt sich organisch in den langgestreckten Raum ein. Am schönsten ist das Langhaus am Abend im Licht der untergehenden Sonne. Erleben kann man die Kirche ja immer nur dann wie sie ist, wenn sie ihren Zwecke erfüllt: wenn sie zum Klangkörper für das Gotteslob der Mönche wird!

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Der barocke Kreuzweg

Schon um 1650 standen auf dem kleinen Plateati über der Gaadener Straße 3 Kreuze, zur Erinnerung an den Kalvarienberg in Jerusalem. 1670 errichteten dann einige Wiener Bürger auf diesem Platz, dem sogenannten Bergl oder Schneiderbergl, eine Kapelle zu Ehren des Gekreuzigten und 1671 ließ Abt Klemens Schäffer daneben ein Eremitenhäuschen bauen.

Beim Türkeneinfall 1683 wurde die sogen. „Berglkapelle“ zerstört, aber bereits 2 Jahre später aus Spendengeldern der Wiener Bürger wieder errichtet. 1728 wurde das „Kirchl auf dem Schneiderbergl" vom Heiligenkreuzer Zimmermeister Aegidius Bauer repariert, auch eine Stiege auf den Berg wird erwähnt. So kann man annehmen, das die spätere Treppenanlage an sie anknüpft.

Der prachtvolle barocke Kreuzweg mit den 13 Stationskapellen und der Hauptkapelle der 12. Station wurde in den Jahren 1731 bis 1748 erbaut. Initiator und Bauherr war Abt Robert Leeb, der diesen Kreuzweg zur Erinnerung an seine Pilgerreise ins Heilige Land anlegen ließ. Als junger Priester hatte Abt Robert 1719 den wirklichen Kreuzweg in Jerusalem gesehen und war ihn selbst mit großer Ergriffenheit gegangen. 1729 erwog er nun den Plan, auch in Heiligenkreuz einen Kreuzweg nach dem Vorbild in Jerusalem anzulegen. Die Baubewilligung wurde ihm 1731 durch eine Erklärung Papst Klemens XII. erteilt.

Die 14 Stationen wurden vorerst durch große Holzkreuze gekennzeichnet. Noch im selben Jahr 1731 wurde dieser provisorische Kreuzweg auf dem Schneiderberge von 2 Franziskaner- Patres eingeweiht, in Gegenwart des ganzen Konventes und einer großen Volksmenge. Vor allem Wiener Pilger trugen in den kommenden Jahren durch ihre Spenden zum Aufbau bei. Architekt der baulichen Anlagen war der Wiener Baumeister Franz Anton Pilgram, ein Schüler des berühmten Architekten Lukas von Hildebrandt.

Der örtliche Maurermeister Josef Frauenschuh errichtete die Kreuzweganlage nach den Plänen Pilgrams und erhielt zum Dank von Abt Robert die Lizenz zum Ankauf des Baugrundes neben der 13. Stationskapelle. Dort baute sich Frauenschuh bis 1741 ein Haus (KNr. 5), welches 1957 wegen Baufälligkeit abgetragen wurde. Die Zimmermannsarbeiten an den einzelnen Kapellen führte der örtliche Zimmermeister Matthias Paumgartner durch, die Steinmetzarbeiten an Türen und Fenstergewänden, vielleicht auch die Kartuschen der Stationskapellen, der Heiligenkreuzer Steinmetz Johann Keller und dessen Sohn Peter, ein Patenkind von Giovanni Giuliani.

Die künstlerische Leitung lag in den Händen unseres großen Barockbildhauers Giovanni Giuliani (1664-1744). Schon 1731 wurde in seiner Werkstatt mit der Anfertigung der Statuen begonnen. Von Giuliani selbst ist die Statue des Heilands, die 1974 am Kreuzweg durch eine Kopie ersetzt und in der Stiftskirche aufgestellt wurde. Die Holzreliefs in den 13 Stationskapellen, wahrscheinlich auch der Altar und die Figuren der Hauptkapelle, sind vom Laienbruder Lukas Troger und die 37 Sandsteinfiguren vom Bildhauer Josef Schnitzer. Beide waren Gehilfen von Giuliani.

Die Deckenfresken in den Kapellen und der auf Leinwand gemalte Hintergrund der Reliefs sind vom Laienbruder Matthias Gusner, einem Schüler unseres großen Barockmalers Martino Altomonte. Giuliani selbst hat die Fertigstellung des Kreuzweges nicht mehr erleben können, er starb 1744 und sein Schüler Lukas Troger übernehm die Aufsicht über die weiteren Arbeiten. Ein Teil der Statuen ist erst nach Giulianis Tod entstanden.

Wegen Setzungsschäden musste 1885 zwei Drittel der Hauptkapelle samt Türmchen unter der Leitung des Architekten Dominik Avanzo abgetragen und originalgetreu wieder aufgebaut werden. Das große Deckenfresko von Matthias Gusner wurde nach vorhergehender Aufnahme vom Maler Weigand gänzlich neu gemalt. Eine umfassende Restaurierung des gesamten Kreuzweges erfolgte zuletzt in den Jahren 1988 bis 1993. Während dieser Restaurierungsarbeiten wurden in der Hauptkapelle die 4 holzgeschnitzten Nischenfiguren von Lukas Troger durch Kopien in Hartgips ersetzt und im Stiftsmuseum aufgestellt.

Werner Richter

Komm und sieh!

Auf dieser Seite habe ich Ihnen gerne in kurzen Beschreibungen einige der Schätze unseres Kloster präsentiert, die Sie bei einer Führung auch life erleben können. Obwohl ich auf unserer Homepage immer wieder betone, dass wir ein lebendiges Kloster sind, bleibt das doch immer nur "Wortgeklingel", solange man das Kloster nicht "in Aktion" erlebt hat. Wann ist ein Kloster "in Aktion"? Wenn gebetet wird!

Unsere Väter haben durch die Jahrhunderte nur deshalb all die Mühe und Arbeit und all den Aufwand in die Gebäude und Kunstwerke investiert, weil sie darin gleichsam "materiegewordenes" Gebet gesehen haben. Der einzige Zweck eines Klosters ist die Verherrlichung Gottes, die gerade auch durch die Ästhetik geschieht.

An dieser Stelle deshalb die herzliche Einladung, die Jesus einst selbst gegenüber seinen neugierigen Jüngern ausgesprochen hat: "Komm und sieh!" (vgl. Joh 1,39) Sie sind zu unseren Gottesdiensten, zu den Heiligen Messen und zum Chorgebet herzlich willkommen!

P. Karl Wallner OCist, Öffentlichkeitsarbeit,
E-Mail: information(at)stift-heiligenkreuz.at

"Verträumt und beschwingt!"

Überraschend, wie verträumt, leicht und beschwingt ein Kloster beeindrucken kann! 

Ein Erlebnisbericht von Peter Ragendorfer aus Sulz

Wie oft ich auch am Kloster Heiligenkreuz auf der "Allander-Autobahn" vorbeifahre, jedesmal fällt mein Blick, fast zwanghaft, auf das verträumt daliegende, von drei Hügeln umgebene, Kloster. Auf mich haben Klöster immer eine magische Anziehungskraft. Obwohl ich jetzt fast seit 10 Jahre in Sulz im Wienerwald wohne und natürlich schon einige Male in Heiligenkreuz war, habe ich es noch nie so gesehen wie am Pfingstsonntag den 26. Mai 1996. Unser Pfarrer, Pater Karl, lud zu einer Führung der besonderen Art, für den späteren Nachmittag ein.

Nicht überraschend das fast beängstigende, hektische Treiben am Parkplak vor dem Kloster. Japaner, Holländer, Engländer, Deutsche usw. Hoffentlich ist der Treffpunkt mit P. Karl zu finden. Überraschend aber dann: da ein Bekannter aus Sulz und dort ein Freund und um 1/2 5 Uhr waren wir fast unübersehbar, über 120 waren gekommen! Die magische Anziehungskraft eines Klosters?! Gleich zu Beginn der Führung zeigt uns P.Karl die Umgebung des, wie er sagt "schönsten Klosters der Welt". Leises, mildes Lächeln der meisten Besucher. PKW liebt Superlative...

Wir gehen in den Innenhof rechts, zu dem Teil, wo die weltlichen Gebäude von den Babenbergern angelegt wurden. Wir erfahren, dass das Kloster von Markgraf Leopold dem Heiligen gegründet wurde. Beeindruckend, dass alles nach wie vor, fast ausschließlich vom Kloster erhalten wird. Von den oberen Arkaden zeigt man uns den Klosterhof mit der barocken Mariensäule, die an einer bestimmten Stelle, verspielt die nüchterne romanische Fassade der Kirche verdeckt.

Wieder unten im Hof angelangt zeigt man uns, daß der Hof keine rechten Winkel hat, und dadurch auf mich so groß und tief wirkt, daß die Platanen, die einen Brunnen umgeben, gar nicht so mächtig erscheinen als sie in Wirklichkeit sind. Leicht und beschwingt ist der Hof, das merke ich als P. Karl auf die Pastellfarben Rosa des Mauerwerkes, das Weiß und Hellblau des Himmels und das helle Grün der Platanen hinweist: das Ganze ist eine Rokoko-Komposition, eine Harmonie, die die Jahrhunderte gefügt haben.

Jetzt erst betreten wir durch die ehemalige Pforte das Innere des Klosters und ich stehe überrascht und gleichzeitig überwältigt im Kreuzgang des Klosters. Trotz der vielen Leute die um mich sind, kann ich mir vorstellen, daß einem hier Ruhe, Stille und Friede umfangen kann. Eine eigene Welt für sich.

Wir gehen durch den Kreuzgang und betreten das Brunnenhaus, welches mich durch seine Farben und durch das verspielt plätschernde, aber auch beruhigende Wasser beeindruckt. Wir sehen den Kapitelsaal und die Totenkapelle, in welcher für mich wieder überraschend, der Tod verspottet wird. Er der finstere gefürchtete Geselle, muß das Licht Jesus Christus tragen. Der Tod hat keinen Stachel mehr. Jetzt glaube ich es, wenn P. Karl sagt: "nirgends wird so viel gelacht wie in diesem Kloster". Ist das nicht herrlich Leichtigkeit, Fröhlichkeit und Beschwingtheit ist mit mystischen vereinbar.

Ich habe gar nicht gemerkt wie schnell die Zeit vergangen ist. Wir müssen uns beeilen, um noch die Sakristei zu besichtigen, weil um 18 Uhr findet die feierliche Pfingstvesper statt. Auch in der Sakristei viel Licht und helles Holz mit wunderschönen Intarsien. Eine 200 Jahre altes, traumhaftes Pluviale wird der Herr Abt dazu anziehen. P. Karl meint, daß bei den Zisterziensern nichts als Museumsstücke aufgehoben wird, sondern immer wieder in Verwendung ist. „Wir sind kein Museum, sondern ein lebendiges Kloster!“ Von der Sakristei betreten wir die Kirche. Besonders jeder romanische Kirchenbau beeindruckt mich immer wieder zu tiefst. So auch hier.

Wir werden eingeladen der Vesper beizuwohnen. Bald schwebe ich auf den Klängen des gregorianischen Chorals, im dreidimensionalen Raum. Fast unerklärlich dringen ganz zarte Orgeltöne an mein Ohr. Kommen diese von rückwärts von der Seite von vorne oder gar von oben? Und beim Magnifikat dringen Sonnenstrahlen durch die drei Fenster der Hoffassade herein. Leicht und beschwingt in die Mystik und die Weihrauchwolken steigen in die Unendlichkeit des Kirchengewölbes empor… lächelnd…

Immer wenn mich etwas sehr beeindruckt, rinnt mir eine kalte Gänsehaut den Rücken hinunter… jetzt rinnt sie. Es ist vielleicht wirklich das schönste Kloster der Welt!? Wieder zu Hause in Sulz, unsere Kirche ist noch offen. Leichte, wunderschöne Musik erfüllt den Raum der bezaubernden Kirche, als wir diese mit unseren Freunden betre ten. P. Karl will gerade zusperren, für uns dreht er kurz alle Lichter auf. Es rinnt schon wieder den Rücken hinunter… Plötzlich aus der Traum: P. Karl muss noch schnell für die Jugend grillen...

Peter Ragendorfer, 1996




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